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Probenbeobachtung (2): Geschenk des Laienschauspiels

von | 25. Feb. 2026 | Aktuelles, Blog, Probenbeobachtung | 0 Kommentare

Eigentlich alle Menschen sagen nach dem Besuch einer Vorstellung der Klosterbühne (und das werden Sie sicher auch heute sagen): „Es war einfach toll!“ Und manche sagen dann auch noch: „Und das sind ja alles Laien!“ und das ist ein großes Lob. Und es schimmert so ein wenig durch, diese Gruppe ist so gut, man kann sie schon mit den Profis vergleichen. Man merkt gar nicht, dass sie keine Profis sind. Ich möchte dann immer ein Gespräch anfangen und meine Sicht auf das Laienspiel erläutern, das ist für mich nämlich – deshalb die Überschrift – ein großes wunderbares Geschenk.

Wir sind es gewohnt, Schauspieler:innen bei der Arbeit zuzusehen, uns von Geschichten und Rollen einfangen zu lassen. Im Theater, im Film, in der Werbung, beim Streamen sind die Menschen, die wir beobachten, professionelle Schauspieler:innen. Die haben während ihrer langen Ausbildung gelernt, Haltungen und Gefühle auszudrücken. Und sie können das mit vielen Nuancen, und sie können vieles gleichzeitig ausdrücken.

Also stellen Sie sich vor, da geben sich zwei einen Kuss. Dann wissen wir sofort, wie gut die beiden sich kennen, ob frisch verliebt oder schon länger zusammen, wir wissen, wie es ihnen geht, wir wissen, ob jemand zweifelt und wenn ja, wie stark. Und die Regie kann sogar den Auftrag geben, ein wenig mehr Zweifel oder ein wenig mehr Freude. Das können professionelle Schauspieler:innen. Großer Respekt! Wir erleben die Rolle genauso, wie die Inszenierenden sie interpretieren.

Biedermann und die Brandstifter, Probe 11/2025

Das können wir nicht, und Laiensschauspieler:innen haben dafür auch keine Ausbildung, aber dadurch entsteht bei jeder Aufführung etwas anderes, sehr gutes, in meinen Augen viel berührenderes. Hier haben sich nämlich Menschen mit Lust und Mut und manchmal auch ein wenig Verzweiflung einer Rolle und ihrem Text genähert und erarbeiten sich, eine andere Person zu verkörpern. Sie müssen also die eigene Persönlichkeit dazu bewegen, eine andere Person mit ihrer Geschichte und ihren Gefühlen darzustellen und dann mit anderen interagieren. Das ist Arbeit und erfordert großen Einsatz!

Biedermann und die Brandstifter, Probe 11/2025

Auf dem Weg dahin macht man die unterschiedlichsten Entdeckungen, vor allem an sich selbst, wie gut, dass es den anderen aus der Gruppe auch so geht. Dadurch wird diese Rolle persönlich gefärbt und ausgefüllt. Man kann das eigene Leben nicht aus der Figur, nicht aus der Geschichte heraushalten. Und so entstehen bei den vielen Proben immer wieder Ideen, wie man etwas darstellen kann, werden ausprobiert, beurteilt, vielleicht verworfen, viele aber werden Sie aber heute Abend sehen. Und jede Aufführung wird ein wenig anders.
Und dies hilft uns auf sehr persönliche Art, das Stück zu sehen. Wir als Zuschauer:innen werden liebevoll an die Hand genommen und durch das Stück geführt. Und das Stück ist viel näher dran an mir und am Leben. Mir geht es so und der Applaus zeigt es anderen geht es auch so. Laienschauspiel auf diesem Niveau ist ein großes Geschenk.

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